Die Glasharmonika und das Verrophon sind zwei klar voneinander zu unterscheidende Instrumente.
Die von Benjamin Franklin 1761 entwickelte Glasharmonika besteht aus ineinandergeschobenen Glasschalen, die auf einer horizontalen Achse rotieren und mit angefeuchteten Fingern zum Schwingen gebracht werden.
Das Verrophon entstand dagegen erst 1983. Es besteht aus senkrecht stehenden, nicht rotierenden Glasröhren. Konstruktion, Spielweise, Klangentfaltung und historische Herkunft unterscheiden sich damit wesentlich von der Glasharmonika.
Ein entscheidender Unterschied zeigt sich auch in den Spielmöglichkeiten: Die für die Glasharmonika charakteristischen gebundenen Legatolinien sowie das mehrstimmige und akkordische Spiel, zentrale Anforderungen etwa in Donizettis Lucia di Lammermoor und in Mozarts Werken für Glasharmonika, lassen sich auf dem Verrophon konstruktionsbedingt nicht in vergleichbarer Weise umsetzen. Gerade bei Originalwerken für Glasharmonika ist dies von besonderer Bedeutung.
Die gelegentlich verwendete Bezeichnung „moderne Glasharmonika“ für ein Verrophon ist daher instrumentenkundlich irreführend.
Besonders problematisch wird dies, wenn bei Konzerten oder Opern eine Glasharmonika angekündigt wird, tatsächlich aber ein Verrophon zum Einsatz kommt.
Wer eine Glasharmonika ankündigt, weckt beim Publikum zu Recht die Erwartung, dieses Instrument auch tatsächlich zu hören. Wird stattdessen ein Verrophon gespielt, entspricht dies nicht der angekündigten Besetzung.
Gerade bei Originalwerken für Glasharmonika ist diese Unterscheidung keine Nebensache, sondern eine Frage historischer, instrumentenkundlicher und vor allem klanglicher Authentizität.
Das ist keine Abwertung des Verrophons. Es ist ein eigenständiges Instrument mit eigenen klanglichen Möglichkeiten, und gerade deshalb sollte es auch unter seinem eigenen Namen bezeichnet werden.
Wer Verrophon spielt, spielt Verrophon.
Wer Glasharmonika ankündigt, sollte auch eine Glasharmonika präsentieren.